Illustrierte Bücher - Für Erwachsene, für Kinder, für Alle

Stefan Zweig: Buchmendel /

Die unsichtbare Sammlung

Zwei Novellen aus Kriegs- und Nachkriegszeiten, als die Welt sich wandelt und zur "neuen Zeit" wird.

Ein Sammler, der nicht weiß, dass er auf leeres Papier schaut und ein Buchhändler mit einem "dämonisch unfehlbaren" Gedächtnis sind die Protagonisten, die von dieser neuen Zeit betrogen werden. 

Die Erzählungen sind nicht nur illustriert, viel eher trifft zu,

dass sie durch die Zeichnungen dramatisiert und in ihrer Tiefenstruktur freigelegt werden. Das wunderschöne Buch, das nebst den Texten und Illustrationen über ein fundiertes Nachwort, ein Werkverzeichnis und den letzten Text

Stefan Zweigs verfügt, ist zudem auf feinstem Papier gedruckt und mit rotem Faden geheftet - das Buch lässt

keine Wünsche offen.

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Steffen Herbold (Text) &

Martin Burkhardt (Illustration):

Die stramme Helene

Helene führt ein trostloses Leben mit ihrem alkoholkranken Mann in einer düsteren Stadt der 1960er Jahre.

Die Folgen der Diktatur und des Krieges zeichnen noch immer die Städte und Menschen, und nur mit List kann sich Helene kleine Freuden erschleichen. Doch die reichen nicht aus, um die Brutalität ihres Mannes aufzuwiegen.

Text und Illustrationen fangen die bedrückende Atmosphäre der Zeit und der Situation Helenes ganz genau ein, die Geschichte ist eine Zeitreise, wie sie plastischer nicht sein könnte. Sie ist die Geschichte Helenes und weist beispielhaft über dieses einzelne Leben hinaus und veranschaulicht die Situation vieler Frauen in dieser Epoche.

Der strammen Helene kommt ganz überraschend das Schicksal zur Hilfe, vielleicht kann aus der Raupe doch noch ein Schmetterling werden?

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Die Schöne und das Biest

Das berühmte Märchen von der gutherzigen jüngsten Tochter, die sich in die Freundlichkeit, den Humor, das Wissen und die Erzähl-kunst eines Ungeheuers verliebt und dieses mit ihrer Liebe und einem Kuss in einen "hübschen Prinzen" verwandelt, wird in dieser Ausgabe des Bohem Verlags wunderbar dargestellt. Die feinen, ausdrucksstarken Illustrationen im surrealistischen Stil betonen zugleich die Stärke und die Fragilität der Liebe, sie spiegeln und veran-schaulichen mit ihrer Farbgebung und den alten Symbolen den Geist des Märchens. Ein erlesenes Gesamtkunstwerk für alle Menschen ab fünf Jahren.

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It´s Raining Elephants: Marta und Ich

Marta zeichnet immer und überall.

Einmal malt sie einen Löwen, der zu einem guten Freund wird, nachdem er aus dem Bild heraus ins richtige Leben getreten ist. Die beiden erleben wilde (Zimmer)Abenteuer, befahren das Meer, spielen Verstecke im dichtesten Dschungel. Sie spielen, tanzen, streiten und vertragen sich wieder. Die Bilder sind in allen möglichen Variationen von ganz zart bis sehr bunt und expressiv gestaltet. Die beiden Helden haben auf jedem Bild einen anderen Gesichtsausdruck, die Ausstattung der Räume korrespondiert mit dem Geschehen in der Geschichte.

Das Autoren-Duo It´s Raining Elephants schüttet ein ganzes Füllhorn an Gefühlen aus, der Leser bzw Betrachter durch-schifft eine weite Welt an Farben, Formen und Ereignissen, kann in die Geschichte eintauchen, aus ihr auftauchen, weiterschwimmen- und fliegen, er wird bei jedem Mal etwas Neues entdecken. Ein Freudengesang auf die Freundschaft und die Freiheit ist dieses vielfältige, ereignisreiche Buch,

das man mehr als einmal lesen wird. Versprochen.

Für alle Menschen ab fünf Jahren.

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Benita Roth (Text) &

Gino Alberti (Illustrationen):

Im Wunderwald mit Georg Baselitz

Text und Illustration führen ganz locker und ohne pädagogischen Anstrich in das Werk von Georg Baselitz ein. Angefangen beim jungen Maler, der seine eigenen Träume und Ideen verfolgt, anstatt auf seine Lehrer zu hören, und deshalb im hohen Bogen rausfliegt.  Doch er ist beharrlich und lässt seine Fantasie nicht einzäumen. Schließlich bringt er seine Idee, einfach mal alles andersrum zu malen, aufs Papier - und die Zuschauerwelt steht Kopf! Die vielen Bewegungen und Gefühle, die die Entwicklung zum gefeierten Maler begleiten, sind wunderbar in Szene gesetzt von Gino Albert, Text und Bild ergänzen sich vortrefflich und veranschaulichen die Realisierung eines Traumes.

Was für ein schönes Geburtstagsgeschenk für den Maler!

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Nan Shepherd: Der lebende Berg

Dieses fast in Vergessenheit geratene Buch ist eine der bedeutendsten Naturschilderungen des 20. Jahrhunderts. Nan Shepherd durchstreift das Berg-massiv der Cairngorms im Nordosten Schottlands bei jeder Jahreszeit, bei Tag und bei Nacht. Tausende Kilometer legt sie zurück und entdeckt bei jedem Schritt Neues. In der Natur um sich herum oder in sich selbst.

Stets sucht sie nach der Verbindung zwischen dem Außen und ihrem Inneren, die Bergwelt mit ihren spektakulären oder völlig unscheinbaren Erscheinungen eröffnet ihr Blicke in die eigene Seele. Präzise Beschreibungen, philosophische Überlegungen, ein Verweben des Kleinsten mit dem großen Ganzen in einer poetischen Sprache ohne jeden Hang zur Überheblichkeit zeichnet Shepherds Werk aus.

Es ist ein schmales Büchlein, das den Eindruck eines Riesenwerkes zurücklässt.

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H.G. Wells (Text) & Nicole Riegert (Illustration): Die Insel des Dr. Moreau

Der Schiffbrüchige Edward Prendick strandet im Südpazifik auf einer Insel, auf der ein biologisches Experiment stattfindet. Der aus London stammende Dr. Moreau versucht dort, Tiere zu Menschen "umzugestalten."

Prendick wird Zeuge von schmerz-haften Operationen, er erlebt die Geschöpfe, die ihm eher Karikaturen des Menschen zu sein scheinen als Menschen mit Verstand, Gefühl und Schönheit, inmitten einer undurchdringlichen und phantastischen Natur. Dr. Moreau regiert sein "Tiervolk" mit Gesetzen und mit Religion, er lässt sich verehren wie ein Gott. Doch sein Experiment gerät außer Kontrolle und er wird Opfer seiner Hybris. Wells Roman, 1896 erschienen, gehört in die Reihe des englischen Schauerromans, mit allen Finessen der Kunst kreiert er eine Geschichte, die gekonnt mit der Angstlust des Lesers spielt. Diese wird verstärkt von den ausdrucksstarken Holzschnitten Nicole Riegerts, die diese Ausgabe trefflich illustriert hat. Sie geben der Geschichte eine weitere Dimension, eine eindrucksvolle Tiefe. Ein bedenkens- und betrachtenswertes Buch.

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Lukas Hartmann: Die wilde Sophie

Aus Angst, seinem Sohn Jan könne etwas zustoßen, umgibt König Ferdinand den Prinzen mit aberwitzigen Sicherheitsmaßnahmen. Sie sind so ausgefeilt, dass Jan schließlich wie ein Gefangener im Schloss lebt, der nicht einmal auf den Hof darf. Das kann die wilde Sophie, nicht länger ertragen. Sie setzt alles daran, den blassen Jungen zu befreien. Mit Mut, List, Intelligenz, Phantasie, Glück und Magie führt sie den kompletten Hofstaat, einschließlich sämtlicher Wachen und Soldaten an der Nase herum. Wie im Märchen üblich, gibt es Rückschläge, doch das Gute gewinnt. In sehr schönem, poetischem und märchenhaftem Ton erzählt Hartmann die Geschichte für Kinder ab neun Jahren, die auch erwachsene Leser beeindruckt.

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Klaas Verplancke:

Magritte und sein Apfel

Der Künstler Verplancke nähert sich dem surrealistischen Maler Magritte, und begleitet ihn auf seinem Weg von den ersten Anfängen bis zur Meisterschaft. 

Er erläutert bildlich, wie der Surrealist die Welt im Detail naturalistisch darstellt, die einzelnen Teile aber so zusammensetzt, dass eine neue Welt entsteht. Eine Welt, in der Unmögliches möglich wird, Alltägliches verfremdet und im neuen Kleid erscheint.

In der alte Seh- und Denkweisen aufgebrochen und hinterfragt werden. Verplancke verfügt über Sachverstand und Phantasie, er geht zart und zugleich ausdrucksstark vor,

er führt den Betrachter ein in eine Welt, in der andere Regeln gelten als in der "normalen". Diese war nach dem Ersten Weltkrieg aus den Angeln gehoben. Die Surrealisten wollten der alten Welt eine neue entgegensetzten.

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Yi Meng Wu: Yaotaos Zeichen

Die kleine Lucie findet auf dem Dachboden ihrer Großeltern einen alten Koffer. Kaum geöffnet, entflattern diesem chinesische Schriftzeichen -

ob der Koffer wohl ihrem Urgroßvater Yaotao gehört hat, der als junger Mann nach Lyon kam?

Die Zeichen nehmen Lucie mit auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählen von Yaotao, seiner Frau Laurence, dem Sohn Francois-Hua, ihrem Leben in Lyon und dem in Peking, wohin die junge Familie zog, als es Yaotaos altem Vater sehr schlecht ging. Die Zeichen erzählen vom chinesisch-japanischen Krieg, der Rückkehr nach Frankreich 1940, das sich ebenfalls im Krieg befindet und den Schwierigkeiten, in den Alltag (zurück) zu finden.

Die Geschichte einer doppelten Emigration, das Leben in zwei Kulturen, das zutiefst menschliche Suchen nach Liebe unabhängig von jeder Kultur - dies sind die Themen des Buches, das auf zwei Arten erzählt wird. Einmal in Worten und ein weiteres Mal in Bildern.

Mit den aufwendig gestalteten Collagen erzählt Yi Meng Wu ebenso eindringlich von Aufbruch und Ankommen, Exil und Heimat, Trauer und Hoffnung. Das Buch bietet damit zwei Ebenen, auf der eine doppelte Geschichte erlebt werden kann, das ist etwas ganz Besonderes.

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Franziska Walther: Hoch hinaus

Erasmus lebt in einem Wald im Norden.

Er weiß aber, dass es mehr auf der Welt gibt als Fichten - und bricht auf in die Weite. Er überwindet Berge, Seen, Wälder und kommt schließlich in eine große Stadt. Seine Neugier bringt ihn in eine sehr schwierige, ausweglos erscheinende Situation, doch Mut und Phantasie retten ihn. Das Bilderbuch kommt ohne Worte aus, die darf der Betrachter selbst wählen. Es ist eine wunderbare Vorlage für alle, die gerne erfinden und entwickeln, vielleicht zu zweit oder in einer  Gruppe. Die bunten Bilder, der freundliche Elch und die phantastische Lösung eines Problems werden alle beflügeln und die Gedanken und Gespräche zu diesem Buch hoch hinaus tragen.

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Ernst Jandl - Ian Hamilton Finlay:

not / a concrete pot - Briefwechsel

Ernst Jandl - Ian Hamilton Finlay:

not / a concrete pot - Briefwechsel

Der hier erstmals publizierte Briefwechsel gibt Einblick in die Werkstatt zweier Dichter, beide Vertreter der Konkreten Poesie.

Sie tauschen sich sehr vertraut über Persönliches, die Schwierigkeiten des Veröffentlichens und Verlegens, die gesundheitlichen und finanziellen Malaisen aus - und über Fragen der Poesie. Was kann Konkrete Poesie, woran bemisst sich der ästhetische Wert eines Kunstwerkes? 

Beide suchen und ringen, mit sich selbst, der Poesie, dem Leben. Der Briefwechsel ist "Zeuge eines poetologischen und poetischen Gesprächs", dargelegt in einem sehr schön gestalteten Buch mit vielen Abbildungen.

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Wolfgang Herrndorf: Tschick

Zwei Vierzehnjährige wollen mit einem geklauten Lada von Berlin aus in die Walachei fahren. Sie kommen nicht ganz so weit, erleben aber den Sommer ihres Lebens. Sie lernen Menschen kennen, von denen sie nie gedacht hätten, dass es solche Menschen gibt, sie lernen ein ihnen völlig neues Deutschland kennen, sie erleben großartige Natur und tiefe Freundschaft. Die Ausgabe der Edition Büchergilde wurde von Laura Olschok mit feinen, die bedeutsamsten Momente der Erzählung einfangenden Zeichnungen illustriert. Sie geben dem Roman, der längst ein Bestseller ist, neue Tiefe und Anschaulichkeit und sind eine wunderbare Ergänzung dieses außergewöhnlichen Buches.

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Amy Novesky und Isabelle Arsenault: Lied für Louise

Leben und Entwicklung der Bildhauerin und Installations-künstlerin Louise Bourgeois werden in diesem wunderbaren Bildband, bei dem Text und Illustrationen aus einem Guss sind, in Szene gesetzt.

Vor allem ihrer Kindheit am Fluss und in der Textilwerkstatt ihrer Eltern wird viel Raum gegeben, waren diese doch der Boden, auf dem ihr ganzes Schaffen wuchs. Die Liebe zu ihrer Mutter, die Louise wie eine Zauberin erscheint, wird zur Antriebskraft der künstlerischen Auseinandersetzung. Einfühlsam und genau beschreiben und "bezeichnen" die Autorinnen die äußere und innere Entwicklung Louises.

Geeignet ist das Buch für Kinder ab acht, es empfiehlt sich, die jungen Leser bei der Lektüre zu begleiten, da Fragen auftauchen dürften und vielleicht auch der Wunsch entsteht, selbst zu Nadel, Faden, Stoff oder Draht zu greifen...

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Graham Greene & Annika Siems:

Der dritte Mann

Wien, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, die Stadt ist unter den Alliierten aufgeteilt. Dorthin kommt Rollo Martins auf Einladung seines Freundes Harry Limes. Doch Martins kommt gerade rechtzeitig zur Beerdigung Harrys, er wurde überfahren. Martins kommen Zweifel, er vermutet einen Mord. Er spürt dem Vorfall nach und muss erfahren, dass Harry der Kopf einer Schieberbande war, die mit Penicillin sehr viel Geld verdiente. Es entwickelt sich eine spannende Kriminalgeschichte, die im Kern die Frage nach Gut und Böse stellt. Der gleichnamige Film von Carol Reed ist ein Klassiker, die Lektüre des Buches ist trotzdem sehr lohnenswert, da hier die erzählerische Tiefe besser erfasst werden kann. Außerdem bereichert Annika Siems die vorliegende Ausgabe mit ihren Tuschezeichnungen in Sepia und Schwarz, deren Licht- und Schattenspiele den Geist der Zeit und der Stadt wunderbar in Szene setzen.

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Bruce Chatwin:

Der Vizekönig von Ouidah

Dom Francisco da Silva wird Ende des 18. Jahrhunderts im Sertao (Brasilien) geboren. Das Schicksal verschlägt ihn nach Westafrika, wo er zum Sklavenhändler, reichsten Mann des Landes und Vizekönig aufsteigt. Sein Leben gleicht einer Achterbahnfahrt:

er stirbt bettelarm, noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sucht seine riesige Familie nach Papieren, die den Reichtum zurückbringen sollen.

Chatwins Geschichte nimmt die Legende um Francisco zum Ausgangspunkt, er kreiert daraus einen überbordend phantasievollen, wortmächtigen, bunten und unglaublich lebhaften Roman. Das "Skelett" dafür entstand in Ouidah (dem heutigen Benin), wo Chatwin 1977 in einen Putsch geriet und verhaftet wurde. Er kehrte nie mehr nach Westafrika zurück, die Eindrücke waren jedoch gewaltig genug, um dieses "Werk der Imagination" zu schreiben.

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Rudyard Kipling: Über Bord

Der fünfzehnjährige Millionärssohn Harvey Cheyne stürzt von Bord eines Luxusliners und wird von einem Fischer gerettet.

Fünf Monate verbringt er auf dem Fischkutter und reift in dieser Zeit zu einem verantwortungsbewussten Menschen heran. Das verwöhnte Söhnchen lernt den Wert der Arbeit und des Geldes kennen. Dieser Abenteuer- Seefahrts- und Entwicklungsroman ist außerdem eine Sozialstudie und die genaue Beschreibung eines alten Handwerks: der Fischerei. Wunderbar illustriert und trefflich übersetzt ist das Buch ein Schmuckstück und Kleinod - man will es gar nicht mehr aus der Hand legen.

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Nelly Dix:

Die Geschichte vom weitgereisten kleinen Teufel Eitel

Aus allerhand Märchen und Sagen, sowie einer überbordenden Phantasie speist sich diese Geschichte, die die 13jährige Nelly für ihren Bruder Jan schrieb. Auch die Bilder malte sie selbst. Der Libelle Verlag hat daraus eine wunderbare bibliophile Ausgabe gemacht, die erste Veröffentlichung des Textes anlässlich der Wiedereröffnung des Dix-Hauses am Bodensee im Frühjahr 2013.

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E.T.A. Hoffmann und Kat Menschik:

Die Bergwerke zu Falun

Die Geschichte des jungen Elis Fröbom, der die Seefahrt aufgibt und Bergarbeiter wird, gehört zu den bekanntesten Erzählungen der Romantik. Elis begegnet nach einer Indienfahrt einem alten Bergmann,

der ihm sagt, er solle nach Falun gehen und im dortigen Bergwerk arbeiten,

das sei seine Bestimmung. Diese Aussage wird von einem eindringlichen Traum bekräftigt, Elis macht sich auf den Weg. Als er den Höllenschlund am Tageseingang sieht,

kehrt er fast um, doch die freundliche Aufnahme in die Gemeinschaft der Arbeiter, vor allem aber die schöne Ulla, bewirken, dass er bleibt. Begegnungen, Erlebnisse, Träume und Visionen unter Tage vermischen sich mit der Tagesrealität - Elis ist vielen unterschiedlichen Kräften ausgesetzt, Angst und Sehnsucht streiten in seiner Seele,

in manchen Augenblicken ist er dem Wahnsinn nahe.

Kat Menschik hat diese Neuausgabe mit eindringlichen und einprägsamen Bildern illustriert, die den Leser tief in die Geschichte hineinziehen. Sie spiegeln die Zerrissenheit

des Helden, setzen Glanzlichter auf einzelne Szenen, vertiefen den Geist und die Stimmung der Erzählung,

die zwischen Blutrot und Meerblau tiefe Einblicke in die menschliche Seele gewährt.

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Ilijas Shansugirow: Das Lied von Kulager

"Das Lied von Kulager" erzählt die Geschichte eines Pferdes, das von einem mächtigen Mann getötet wird, weil er es nicht besitzen kann. Die Parallele zur politischen Situation bei seinem Erscheinen in den 1930er Jahren in der Sowjetunion war sofort klar und kostete den Autor das Leben. Gert Heidenreich hat das Epos in deutscher Sprache nachgedichtet und dabei mit bilderreichen Versen die Handlung auf den Konflikt zwischen Akan Seri, dem Besitzer des Pferdes Kulager, und dem reichen, brutalen Batyrasch zugetrieben. Die beigelegte CD lässt eintauchen in die orale Tradition der kasachischen Literatur und vermittelt dadurch einen starken Eindruck von einer fremden Welt.

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Peter Waterhouse:

Die Auswandernden

Media ist mit ihrer achtjährigen Tochter nach Wien geflüchtet. Sie befindet sich im Asylverfahren, sie lernt die deutsche Sprache kennen. Flucht und Sprache sind die Themen des Buches, Waterhouse behandelt sie jedoch auf eine Weise, die einzigartig ist. Es wird keine klassische Geschichte erzählt, es wird das innere Leben von Worten beleuchtet und damit ins Innere des Menschen geblickt.

Die Lernende lehrt ihren Lehrer Linien zu erkennen, die ihm neu sind, sie lehrt ihn, Worte neu zu denken. Dies führt ihn zu dem Gedanken, ob "Literatur keine schreibende Kunst, sondern eine Kunst der Auswanderung" ist? Auswanderung als Aneignung, Verwandlung, Neubeginn, als Prozess, ist der Kernpunkt seiner Überlegungen, wunderbar in Szene

gesetzt werden sie von Nanne Meyer. Sie hat Zeichnungen angefertigt, die 58 Doppelseiten füllen und die Worte des Autors verdichten, vertiefen, dramatisieren.

Im Zusammenspiel von Wort und Bild ist so ein Buch entstanden, das sich allen Kategorisierungen entzieht.

Es ist ein wunderbar spielerisches Buch entstanden, frei nach dem Schillerschen Gedanken, dass der Mensch nur dort ganz Mensch ist, wo er spielt.

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Linda Wolfsgruber & Michael Stavaric: Als der Elsternkönig sein Weiß verlor

Eines Morgens ist der Elsternkönig plötzlich schwarz wie ein Rabe. Unruhe macht sich breit, das Volk vermutet, ihr König könnte ermordet und dieser schwarze Vogel ein Betrüger sein. Doch so ist es nicht. Es ist ihr alter König, der seine Güte verloren hat und nun, um die Gleichheit wieder herzustellen, alles Weiße aus seinem Land verbannt. Alle Federn, Salz und Milch, schließlich die Wolken, müssen schwarz gefärbt werden.

Drei Jahre macht das Volk mit, dann verjagt es den König. Der muss weit weit weg fliegen, um wieder zu sich selbst zu finden. Text und Illustration ergänzen sich wunderbar, die Vögel drücken mit ihrer Körperhaltung aus, was gerade mit Worten erzählt wird. Mit wenig Farbe werden Stimmungen aufgebaut, der Leser kann die Geschichte über mehr als eine Ebene aufnehmen.

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Ulrike Möltgen & Kilian Leypold: Wolfsbrot

"Wolfsbrot" nimmt die Urängste des "Rotkäppchen" auf. Hier ist es ein Junge, der im bitterkalten Winter der Nachkriegszeit alleine durch einen dunklen Wald zur Schule gehen muss. Zum Trost gibt ihm die Mutter ein schönes Wurstbrot mit. Im Wald kommt es zu unheimlichen, auch gefährlichen Begegnungen, die der Junge meistert: an diesem Tag wächst er über sich selbst hinaus. Mut und Mitgefühl besiegen seine Angst.

Die Illustrationen sind mehr als Bebilderung: sie erzählen die Geschichte auf eine andere Weise ebenso eindringlich und zeigen, dass Realität und Phantasie keine zwei getrennten Welten sind. Das Bilderbuch für Kinder ab acht Jahren und Erwachsene ist ein Buch, das auf ästhetisch sehr hohem Niveau Mut macht, ohne Ängste klein zu reden.

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Joshua Groß: Faunenschnitt

Frank, ein junger Schriftsteller, fährt zu seinem Verleger Bruno ins Salzkammergut. Dort lernt er nicht nur den Bootsverleiher Edward und die schöne Sofia kennen, er erlebt einen Flugzeugabsturz, der in Wirklichkeit eine Performance ist, er hilft, einen Einbruch aufzuklären und er zelebriert selbst einen symbolischen Akt der Überwindung von Postmoderne und Kapitalismus, indem er eine Kaffeemaschine (!) verbrennt. Frank, der seinen Beruf als das Bauen eines begehbaren Kaleidoskops beschreibt, könnte das Alter Ego Joshua Groß´ sein, der mit "Faunenschnitt" einen kaleidoskopischen Roman geschrieben hat, der Realitäten ganz neu zusammensetzt, mitunter zusammenschüttelt.

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Oyvind Torseter:

Der siebente Bruder oder

Das Herz im Marmeladenglas

Der jüngste Bruder zieht aus, um seine älteren Brüder zu befreien. Dazu muss er das Herz des Trolls finden und zerstören, nur dann kommen alle - das sind die Brüder und ihre Bräute - frei.  Mutig macht sich Hans mit seinem alten Klepper auf den Weg. Ausgestattet mit Mut, Verstand und Herz begibt er sich in große Gefahren, doch er ist so schlau, sich beizeiten Hilfe zu sichern und außerdem schlägt sein Herz für eine bezaubernde Prinzessin, die ihm sehr lässig

zur Seite steht. Die Geschichte hat alles, was ein gutes Märchen braucht, ist rasant erzählt und wunderbar gezeichnet. Text und Bild stammen aus einer Hand, Torseter hat eine ganz eigene und eigenwillige Farbgebung entwickelt, um die Stimmung der Geschichte zu transportieren.

Er schafft es auch, die Figuren selbst in großer Gefahr Ruhe bewahren zu lassen - vielleicht ist das das Geheimnis ihres Erfolges. Ein wunderbares Buch für Menschen ab 5 Jahren; jeder erwachsene (Vor)Leser wird ebenfalls seine Freude daran haben.

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Oren Lavie: Der Bär, der nicht da war

Der überaus sympathische Bär macht sich mit Hilfe eines Zettels und anderer freundlicher Waldbewohner auf die Suche nach sich selbst. Die Frage "Bist du ich?" lässt sich am Ende zweifelsfrei beantworten: "Ich hatte doch gleich das Gefühl, dass ich ich bin, ich fühlte mich vertraut." Wunderbar übersetzt von Harry Rowohlt und illustriert von Wolf Erlbruch ist das Buch eine köstliche Lektüre für alle Geschichten- und Bilderliebhaber sowie Wörtersammler ab fünf Jahren. 

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Michael Ondaatje und Serge Bloch:

Jasper braucht einen Job

Jasper, ein Dobermann, ist teuer.

Ein Job wäre prima, doch was könnte

er machen? Unverhofft bekommt

er ein Engagement bei einer Theaterproduktion des Stückes

"Caesar und Cleopatra" von G.B. Shaw. Jasper macht seine Sache gut, das Publikum liebt ihn, er wird zum Star. Leser/Zuschauer verfolgen seine Entwicklung vom Haustier zum Alphatier - und wie er am Ende einen ganz anderen Job bekommt. Einen weniger glamourösen, doch vielleicht einen mit Gehalt? Das 47. der "Tollen Hefte" , dem auch ein Poster beiliegt, ist eine geballte Ladung an Farbe, die beredten Illustrationen Blochs unterstreichen den lakonischen Stil Ondaatjes kongenial. Herausgekommen ist eine perfekt in Szene gesetzte Geschichte, die nicht nur das Verhältnis von Mensch und Hund beleuchtet, sondern auch die Sorgen und Träume aller, die auf der Bühne des Lebens stehen.

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Mark Twain:

Bummel durch Deutschland

Eine geistreichere, witzigere und brillantere Reisebeschreibung gibt es nicht. Heidelberg, Neckartal und Schwarzwald inspirierten den Meister der Ironie zu unvergleichlich genau beobachteten Aufzeichnungen von Besonderheiten des Landes und seiner   Bewohner. 

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Jürg Schubiger/Wolf Erlbruch:

Zwei, die sich lieben

Ein Bilderbuch vom Suchen, Sehnen, Finden und Abschied-Nehmen. Schubigers Herz erwärmende Verse und die eindrucksvollen Illustrationen von Wolf Erlbruch machen diesen optimistischen Gedichtband über die Liebe zu einem Kleinod für Kinder und Erwachsene. Nicht nur im Frühling. 

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