Die neuesten Empfehlungen

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August 2018

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Charlotte Perkins Gilman:

Die gelbe Tapete

Eine junge Frau soll sich auf Wunsch ihres Mannes nach der Geburt des ersten Kindes in einem abgelegenen Haus erholen. "Ruhekur" nennt sich

die Behandlung, die jede körperliche oder geistige Betätigung verbietet.

Sie wird in einem ramponierten ehemaligen Kinderzimmer im obersten Stock einquartiert, die Fenster sind vergittert, die Tapete ist unglaublich hässlich. Diese Tapete und die Erforschung ihres Musters wird jedoch zur einzigen Beschäftigung der Ich-Erzählerin, die langsam dem Wahnsinn verfällt. Die Schauergeschichte, die an die Erzählungen E.A. Poes erinnert, ist zugleich ein flammendes Plädoyer für die Rechte der Frau. Für das Recht auf Phantasie, geistige Tätigkeit und Selbstbestimmung.

Ein Schlüsseltext der amerikanischen Literatur.

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Esther Kinsky: Hain, Geländeroman

Drei Reisen unternimmt die Ich-Erzählerin: in die Bergwelt Olevano Romanos, in das Dorf Chiavenna in der Lombardei  und in die Lagunen-landschaft um Comacchio im Podelta.

Ganz Wahrnehmung und sehr präzise erkundet sie das Gelände, gleichzeitig

ist ihre Reise eine nach Innen. Erinnerungen an die Kindheit, vor

allem an den Vater, werden wach, die Leerstelle des kürzlich verstorbenen Lebensgefährten M. wird schmerzlich bewusst. 

Der Geländeroman Esther Kinskys erzählt von Abwesenheit und von Verlorenem. Er tut dies in einer ungeheuren Präsenz von Wirklichkeit und Realität. Kinsky beschreibt aber wesentlich mehr als die sichtbare Realität - stets schwingt eine an die Vergangenheit erinnernde, an das momentane Empfinden oder eine philosophische Überlegung anstoßende Ebene mit. So transformiert die Dichterin das (konkrete) Gelände in einen "Hain". Seit dem 18. Jahrhundert gilt dieser als Sitz und Symbol der Dichtkunst. 

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Felix Jackson: Berlin, April 1933

Nach viermonatiger Abwesenheit kehrt der Jurist Dr. Hans Bauer im April 1933 nach Berlin zurück. Und muss entsetzt feststellen, wie sehr sich die Stadt verändert hat. Nach kürzester Zeit regieren Hass und Gewalt, durch die Bevölkerung geht eine Schneise.

Jude oder Arier, darauf reduziert sich das Leben. Er stellt bei Durchsicht der Familienpapiere fest, dass er selbst einen jüdischen Vorfahren hat - damit kann er nach den neuen Gesetzen nicht mehr als Anwalt tätig sein.

Durch einen unheilvollen Pakt mit dem Verantwortlichen für den "Schutz des deutschen Blutes" kann er weiterarbeiten, doch der Preis dafür ist sehr hoch - und schützt Bauer letzten Endes nicht vor Verrat. Eine Vielzahl an Nebenpersonen zeigen eine große Breite an Schicksalen auf. Diese ergeben zusammen mit Bauers Tagebucheinträgen, seinen Reflexionen und der Stimme des Erzählers ein sehr dichtes Bild der damaligen Atmosphäre. Aus der Rückschau geschrieben, teilweise autobiographisch und klug komponiert, gelingt Felix Jackson, geborener Joachimson,

ein eindrucksvolles Zeit- und Menschenporträt.

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