Cadhain, Máirtín Ó

Máìrtín Ó Cadhain: Die Asche des Tages

N. erhält im Büro einen Anruf mit der Nachricht, seine Frau sei verstorben.

Er weiß, dass er nun die Beerdigung mit allem drum und dran organisieren müsste, verliert sich aber in der Stadt,

in Gedanken, in Ausflüchten und Abkürzungen, die ihn immer weiter weg von zu Hause führen. Die LeserInnen folgen ihm in seine eigene Realität - und immer größer werdende Unwahrscheinlichkeit, dass er eine Lösung findet. Tragik und Komik liegen nah beieinander in diesem Roman, der einen starken Sog entwickelt und in eine andere Welt entführt.

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Máirtín Ó Cadhain: Grabgeflüster

Das Leben unter der Erde ist dasselbe wie das in der Alten Heimat, mit dem Unterschied, dass die Toten ihre Gräber nicht verlassen können. "Die Hölle, das sind die anderen," könnte man mit Sartre die Situation nennen, in der sich die Protagonisten dieses Romans befinden.

Wortführerin ist die kürzlich verstorbene Caitriona, doch in ihre Klagen und Anklagen mischen sich bienenstockartig unzählige Stimmen, die alte und neue Lügen verbreiten, verleumden und bezichtigen, die neidisch und eifersüchtig sind, sich widersprechen und die Seite wechseln. Von Ruhe keine Spur, es herrscht Rivaltät in jeder Hinsicht. In diesen stream of consciousness, den Cadhain, der als der irischsprachige Joyce gilt, ebenso gut beherrscht wie Joyce selbst, mischt sich eine universale Stimme, das "Schallhorn des Friedhofs." Sie ist in Wortwahl und Melodie sehr verschieden von den Klagen der Menschen und gibt dem Roman eine Struktur, die über das (oft kleinliche) menschliche Urteil hinausreicht. 

Der Roman ist ein Kultbuch im gälischsprachigen Irland, er erschien 1949, wurde erst 2015 ins Englische übersetzt und liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Eine Entdeckung.

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