Rothmann, Ralf

Ralf Rothmann: Im Frühling sterben

Als Siebzehnjährige werden Walter und Fiete, zwei Melkerlehrlinge aus Norddeutschland, im Februar 1945 zwangsrekrutiert, zur Waffen-SS.

Wochen später treffen sie sich in Ungarn wieder, Fiete liegt im Lazarett. Kurz darauf versucht er zu desertieren, wird gefasst und soll erschossen werden. Walter verwendet sich beim Kommandanten für seinen Freund, erfolglos. Er wird einer derjenigen sein, die den Karabiner auf Fiete anlegen. 

In diesem Roman, der vollständig ohne Kriegsromantik auskommt, vereinigen sich eine realistische Beschreibung der Geschehnisse und Zustände mit einer in poetischer Sprache sich manifestierenden Sympathie des Autors für seine tragischen Helden.

Dieser Roman könnte ein Klassiker der Antikriegsliteratur werden - Klang, Form und Inhalt bilden eine Einheit,

das Gespräch Walters mit Kommandant Domberg veranschaulicht sehr konzentriert Kälte, Perversion und Zynismus der Mächtigen.  

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Ralf Rothmann: Milch und Kohle

Aus der Perspektive des fünfzehnjährigen Simon wird ein Familienleben der Endsechziger beschrieben. Die jungen Eltern verließen den Bauernhof in Schleswig, um in die Stadt zu ziehen, die so viel mehr bietet als Mist und Gülle.

Im Ruhrpott versuchen sie das deutsche Wirtschaftswunder zu leben: eine hübsche Wohnung, Tanzvergnügen im Café Maus, Vergessen des Kriegstraumas. Unter der Oberfläche jedoch gärt es mächtig, der Teppich ist nicht groß genug, um all das darunter zu fegen, was unsichtbar bleiben soll.

Rothmann evoziert die Stimmung und das Lebensgefühl der Endsechziger vortrefflich, die Charaktere sind in ihrer Vielschichtigkeit klar gezeichnet und es wird deutlich, wie hoch der Preis für ein "besseres" Leben war.

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