Woolf, Virginia

Virginia Woolf:

Ein Zimmer für sich allein

"Die harten Tatsachen belegen, dass die Theorie, dernach poetisches Genie dort niederweht, wo es ihm gefällt, und zwar unter Reichen und Armen gleichermaßen, wenig Wahrheit enthält." Virginia Woolf benennt in ihrem 1929 erschienenen Essay die Grundvoraussetzungen für eine freie künstlerische Tätigkeit: man braucht einen Raum für sich allein, und man braucht ein materielles Auskommen. Über beide hat niemand anders zu verfügen. Da Frauen beides über Jahrhunderte nicht gewährt wurde, gibt es von ihnen nicht die großen Kunstwerke, die man aus der Geschichte kennt. Und nicht nur Frauen sind unterrepräsentiert, auch Arme, denn wer verfügt über Raum, Geld und Zeit, um sich der kreativen, freien Tätigkeit hinzugeben, und damit ein in jeder Hinsicht freier Mensch zu werden? Der fast einhundert Jahre alte Essay hat nichts an Aktualität eingebüßt, lebt doch die Diskussion, was ein Mensch zum Leben braucht, immer wieder auf. Und verknüpft damit die Frage: Ist der freie Mensch überhaupt gewollt?

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Virginia Woolf: Orlando

Orlando wird im 16. Jahrhundert in England geboren. Vom Hof der Königin wechselt er als Gesandter nach Konstantinopel, fällt dort nach vielen Turbulenzen in seinem Leben in eine tiefe Trance - und wacht als Frau wieder auf. Damit wechselt der Blickwinkel von der männlichen in die weibliche Perspektive und gibt der unnachahmlich scharfsinnigen Dichterin die Möglichkeit, durch die verschiedenen Zeitalter zu schreiten und deren Veränderungen mit viel Witz einzufangen - denn Orlando lebt weiter.  In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist Orlando eine moderne Frau geworden, die selbstbewusst ihren Wagen durch London steuert, doch sie ist auch eine,

die immer noch sehr gegen überkommene Vorstellungen kämpft. Ein grandioses Lesevergnügen, kein bisschen angestaubt, sondern immer noch hochaktuell.

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