Lindsay Mattick (Text) & Sophie Blackall (Illustration) -

WINNIE - Die wahre Geschichte des berühmten Bären

Winnie-the-Pooh - wer kennt ihn nicht? Doch wer weiß, dass es einen Bären gab, der im Ersten Weltkrieg als Teil der kanadischen Streitkräfte nach England kam und im Londoner Zoo zum Freund Christopher Robins wurde? Jenes Jungen, dessen Vater  die berühmte                                                                           Geschichte verfasste?

 

Doch der Reihe nach. Der Veterinär Harry Colebourn fährt mit einem Zug in den Osten Kanadas, um dort ein Schiff zu besteigen, das ihn und Tausende weitere Soldaten nach Europa bringen soll. An einem Bahnsteig sieht er einen Trapper mit einem Bärenbaby sitzen, für 20 Dollar, damals sehr viel Geld, kauft er ihm den Bären ab. Nur kurz ist der Oberst sehr wütend, dass ein Soldat  "das gefährlichste Geschöpf überhaupt" anschleppt. Aber auch er merkt schnell, dass es "mit diesem Bären ... etwas Besonderes auf sich" hat.

 

In Erinnerung an seine Heimatstadt Winnipeg tauft Colebourn das Bärchen Winnie. Dessen Leben in der großen Zeltstadt, in dem sich die Soldaten Kanadas für die Überfahrt sammeln, die Aufgaben, die er zugeteilt bekommt, seine Rolle als Maskottchen, die Reise über den Atlantik und die Fahrt von Salisbury nach London sind der erste Teil dieser Geschichte.

Denn Colebourn hat schweren Herzens beschlossen, Winnie nicht mitzunehmen, als er nach Frankreich verlegt wird. Dort wäre er nicht sicher, also bringt er ihn in den Zoo.

 

Und damit beginnt der zweite Teil. Denn in London lebt ein kleiner Junge, der sich mit Winnie anfreundet, er darf sogar in sein Gehege! Heute undenkbar, aber die beiden spielen und kuscheln miteinander. Der Vater des Jungen ist Alan Alexander Milne, Verfasser von "Winnie-the-Pooh"!

 

Erzählt wird diese wahre, wunderbare und herzerwärmende Geschichte von der Urenkelin Harry Colebourns. 

Sie liegt mit ihrem kleinen Sohn Cole im Bett. Cole möchte eine Gutenacht-Geschichte hören, und so erfährt er und mit ihm die Leser:innen vom langen Weg des Bären, von der Liebe, die ihm entgegengebracht wurde und seinem Weiterleben in einer der bekanntesten Erzählungen der Welt.

 

Dass sich all diese Ereignisse wirklich zugetragen haben,  werden belegt durch Fotos, die am Ende des Buches abge-druckt sind. Lindsay und Cole schauen sie sich zusammen an, auch ein Stammbaum ist zu sehen, beginnend mit Harry Colebourn bis zu seinem Ururenkel, dessen Name eine Erinnerung an jenen Mann ist, der Winnie entdeckte.

 

Die erste Doppelseite dieses Buches zeigt Mutter und Sohn im Bett liegend, Cole mit einem Teddy im Arm. An der Wand ist ein Bücherregal, auf dem Nachtkästchen liegt das Album bereit. Alles ist ganz realistisch, die Szene hat jedoch etwas märchenhaftes, denn direkt hinter dem Bett sind Bäume zu sehen, als ob es im Wald stünde.

 

In dieser Stimmung ist das ganze Buch gezeichnet.

 

Die Menschen, ihre Kleidung, die Züge und Schiffe, die Uni-formen der Soldaten, die Zelte und Pferde, die rasante Fahrt nach London, die Winnie mit fliegendem Fell im offenen Wagen zeigt, eine sehr fein gezeichnete Ansicht des Zoos in London, die Besucher dort, es stimmt jedes Detail.

 

Doch mit ihrer Farbgebung und der Stimmung, die Sophie Blackall kreiert, verleiht sie der Wirklichkeit Zauber, Poesie und Harmonie. Sie betont, dass Winnies Lebensweg eine Geschichte der Hoffnung ist.

 

Nachdem Lindsay erzählt, dass Colebourn den Bären im Zoo abgegeben hat, entspinnt sich folgender Dialog:

 

"Ist das das Ende?" 

"Das ist das Ende von Harrys und Winnies Geschichte", sagte ich. 

"Aber ich möchte nicht, dass die Geschichte zu Ende ist", erwiderte Cole.

"Manchmal", sagte ich, "muss eine Geschichte enden, damit eine andere beginnen kann." 

"Wie kannst du wissen, wann das passiert?"

"Du kannst es nie wissen", sagte ich. "Deshalb solltest du niemals aufgeben." 

 

Mit dem Ende der Geschichte von Harry Colebourn und Winnie beginnt die von Christopher Robin und Winnie - und diese endete bis heute nicht. 

Ihren hundertsten Geburtstag feiert sie in diesem Jahr, und  sie hat nichts von ihrer Strahlkraft verloren. 

 

Happy Birthday, dear Winnie!

 

 

 

 

 

 

 

 

Lindsay Mattick (Text) & Sophie Blackall (Illustration):

WINNIE - Die wahre Geschichte des berühmten Bären

Aus dem Englischen von Annabel Lammers

Bohem Press, 2026, 56 Seiten, Hardcover

(Originalausgabe 2015)