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Juni 2026
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Alexandre Labruffe: Cold Case
Dieser poetische, verspielte, humor-volle Roman ist eine Entdeckungsreise in verschiedene Teile der Welt, in eine koreanische Familiengeschichte, in die Dynamiken einer Liebesbeziehung und nicht zuletzt in die Seelen der beiden Protagonisten Minkyung, geboren 1985, und die des Ich-Erzählers, den Minkyung "Bruf" nennt. Er beginnt wie ein Krimi - "Ich habe einen gefrorenen Onkel" - gefolgt von Recherche und Ermittlungs-arbeit, und entwickelt sich zu einem Dialog der Kulturen, zu einem Gespräch zwischen Liebenden, gespickt mit Überraschungen und viel Verständnis füreinander.
Ingeborg Gleichauf: Ingeborg Bachmann - Die Widerspenstige;
Ein Essay
Ingeborg Gleichauf begibt sich tief hinein in das Leben und Schreiben der großen Dichterin, deren Geburtstag sich heuer zum einhundertsten Mal jährt. Gleichauf blickt auf die Suchen-de, sie
umkreist die Liebende, die Freundin, die Brief- und Gesprächs-partnerin, die Sprach-Archäologin und Text-Komponistin, die Wortschöpferin, die Übersetzerin und manische Leserin, auf die Frau, der
man nachsagt, eine Diva gewesen zu sein. Gleichauf öffnet einen Raum, in dem nichts eindeutig ist/sein muss und macht große Lust, Bachmanns Schriften (wieder) zu entdecken.
Zur Besprechung
Delphine Minoui: Badjens
Badjens ist sechzehn, als sie während der Unruhen 2022 im Iran auf einen Müllcontainer steigt und ihren Tscha-dor verbrennt. In diesen Momenten läuft ihr Leben im Schnelldurchlauf an ihr vorbei. Ihre Rückschau zeichnet ihre eigene Geschichte und die der Genera-tion Z nach, die via Internet die Welt außerhalb des Machtbereichs der Ayatollahs gesehen hat und nicht mehr bereit ist, weiterhin in Verstecken und hinter Masken, eingezwängt in Restrik-tionen zu leben. Vor allem die Frauen nicht. Der Roman ist ein eindrückliches Porträt, eine Geschichte der Befreiung und des hohen Preises, den die Freiheit kosten kann.
Selene Mariani:
Aus dem Dachfenster die Wolken sehen
Die dreißigjährige Ich-Erzählerin arbeitet im Café und schreibt an einem Roman. Und stellt sich die Fragen: Wie möchte ich in Zukunft leben? Was ist für eine Frau mit prekärer Einkom-menssituation überhaupt möglich in einer patriarchalen Gesellschaft? Wie lassen sich Sehnsüchte mit den Umständen in Einklang bringen? Auch die ganz wichtige Frage: Möchte ich ein Kind? Selene Mariani verzichtet völlig auf Pathos und Sentimentalität, der Roman erhält seine Dichte durch die Konzentration auf das Wesentliche. Sie versteht sich auf Verknappungen, Auslassungen, Andeu-tungen, manchmal Schweigen. Sie lässt den Leser:innen viel Raum für eigene Gedanken und erschafft trotzdem eine konturierte und lebendige Heldin.
Volha Hapeyeva:
Wörterbuch einer Nomadin
Volha Hapeyevas Wörterbuch ist ein weiträumiges, poetisches, klares und ehrliches Nachdenken über das Menschsein. Ausgehend von einzelnen Wörtern öffnet die Romanautorin, Dichterin, Übersetzerin und Linguistin Türen in die verschiedensten Wissen-schaften und auch in ihre eigene Erfahrungswelt. Seit mehr als fünf Jahren lebt sie an ver-schiedenen Orten im Exil, ihr Nomadentum ist ganz konkret. Sich als Nomadin, "als neuer Typus", wahrzunehmen, ist darüber hinaus eine umfassende Art des Denkens und Seins.
Gute Literatur
Meine Empfehlung