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April 2022

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Somerville & Ross: Durch Connemara

Mit dem Eselskarren in Irland

Zwei Schriftstellerinnen, die ihre Werke stets gemeinsam verfassen und so erfolgreich sind, dass sie von ihrem Schreiben leben können, reisen 1890 durch das westirische Connemara.

Ihr Zugtier ist eine Eselin, die in ihrer Eigenwilligkeit den beiden Damen in nichts nachsteht, so dass alleine die Fahrt an sich ein Abenteuer ist.

Das Besondere sind jedoch die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen, meist wird von diesen in Zusammenhang mit ihren Häusern erzählt. Das gibt den Autorinnen zugleich Gelegenheit, den geschichtlichen Hintergrund mit einzuflechten, was aus dem Reisebericht eine umfassende Reflexion über Land und Leute ohne jeden pittoresken Kitsch macht. Dem kritisch-ironischen Blick der beiden Reisenden entgeht absolut nichts, ihre Darstellung des Landes und seiner Bewohner ist von Sympathie getragen. Was für eine Reise!

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Bekim Sejranovic:

Ein schönerer Schluss

Zwischen Bosnien und Norwegen pendelt dieser Roman, in dem der

Ich-Erzähler versucht zu ergründen, aus welchen Geschichten ein Leben zusammengefügt wird. Er begibt sich

in die "Gräben der Erinnerung", reflek-tiert aber auch seine Gegenwart Anfang der 2000er Jahre in einer Hütte in den bosnischen Bergen. Er denkt über Angst und Langeweile, über Identität und Einsamkeit nach, erzählt jedoch auch sehr unsentimental von Partys, Drogen oder Langläufen auf Skiern. Aus der eng an die eigene Biographie angelehnten Geschichte entwickelt Bekim Sejranovic ein weites Panorama an Figuren, Ländern und Mentalitäten - und der schöne Schluss ist ihm auch gelungen.

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Ralph Roger Glöckler:

Luzifers Patenkind

Der amerikanische Maler Marsden Hartley, 1877-1943, ist in dieser Novelle zu einer "Kunstfigur" stilisiert, sie ist eine "auf Fakten basierende Fiktion". Der Autor nähert sich Schicht um Schicht dem Menschen und dem Künstler, zeichnet seine Entwicklung nach, sein Ringen um seine wahre Bestimmung (Kunst oder Glaube?), seine Sehnsucht nach Liebe, Hingabe und Auflösung. Beginnend 1912 in Paris, endend 1923 in Florenz spielt die Novelle klar in ihrer Zeit, der Raum ihres Denkens geht weit darüber hinaus.

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Lucia Zamolo:

Jeden Tag Spaghetti - Wie es sich anfühlt von hier zu sein, aber irgendwie auch nicht

Mit persönlichen Erlebnissen und sachlichen Informationen erzählt Lucia Zamolo von einem Thema, das viel weiträumiger ist, als auf den ersten Blick betrachtet: dem Alltagsrassismus. In wie vielen Kleidern er sich zeigt, wie er sich auch in Komplimenten versteckt kann, dass "Mikroaggressionen" wie Mückenstiche wirken: klein, in der Summe aber quälend. Sie erzählt von Partys, Spaghettikochen, von Schubladendenken oder rassistischen Denkmustern. Und das alles ohne Anklage, aber mit der Bitte um Nachdenken. Die zauber-haften Illustrationen, ebenfalls aus der Feder Lucia Zamolos, begleiten, verdeutlichen und vertiefen den Text, der eine profunde Einführung in ein komplexes Thema ist. Für LeserInnen ab 9 Jahren, geeignet als Schullektüre und für alle, die wachsen wollen.

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Una Mannion:

Licht zwischen den Bäumen

Eine Familiengeschichte, ein Coming-of-Age-Roman, ein literarischer Thriller: all das ist der aus der Sicht der fünfzehn-jährigen Libby erzählte Roman, der mit einen Streit beginnt. Bei dem ihre Mutter ihre jüngere Schwester aus dem Auto wirft, neun Kilometer von zu Hause entfernt, bei einsetzender Dunkelheit. Dieses Ereignis ist der Ausgangspunkt, von dem aus Una Mannion von Schuld, Liebe und Hass, Loyalität, Schwiegen und Vertuschen erzählt, und die Frage stellt: Wie entsteht Vertrauen? Ein berührender Roman mit Sogwirkung!

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Marie Malcovati:

Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut

Tahvo Fährmann, Fotograf, Aussteiger, Finne, lebt seit einigen Jahren in einem süddeutschen Dorf. Plötzlich ist er verschwunden. Drei Frauen, die nichts verbindet als Tahvo, machen sich auf die Suche nach ihm. In der Reise an

den Polarkreis kulminiert der Roman, der durch ständigen Wechsel der Perspektiven, der Zeitebenen und Orte die Charaktere der Figuren, ihr Ringen um Verständnis, ihre Suche nach der eigenen Geschichte und einem Weg in die Zukunft sehr spannend und vielfältig ausbreitet. Erzählerisch verbunden durch Vögel, die in diesem Roman nicht nur für Freiheit stehen.

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