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März 2026
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Siri Ranva Hjelm Jacobsen: Insel
Ist Heimat ein Ort, ein Zustand oder eine Fantasie? Die Ich-Erzählerin, wie ihre Mutter in Dänemark geboren, reist auf die Färöer Inseln, wo die Wurzeln ihrer Familie mütterlicher-seits liegen. Auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln entfaltet sie die Geschichten vieler Familienmitglieder, sie erlebt die Schönheit des Landes, sie denkt grundsätzlich über Migration, Fremdsein und Zugehörigkeit nach. Erzählend verankert sie sich auf der Insel, auf der sie nie lebte, die aber Teil ihres Zuhauses ist.
Johanna Hansen: Schamrot
In ihrer Autobiografie blickt Johanna Hansen, geboren 1955, zurück auf ihre Kindheit und Jugend. Sie waren geprägt von den seelischen Verletzungen, die der Krieg nicht nur bei ihren Eltern hinterlassen hatte, vom Versuch aller, die Vergangenheit tot zu schweigen, von den (Erziehungs)Idealen, die noch aus den 1930er Jahren stammten, von der rigiden katholischen Moral und von einer Krankheit, die das Leben des Kindes stark einschränkte. Die Atemnot, das Asthma, sieht die Schriftstellerin als Reaktion auf die Unfreiheit und Unterdrückung aller Gefühle und Kreativität. Doch die Entwicklungen der Zeit ermöglichen einen weiteren Horizont, der Autorin und Malerin (wunderschöne Bilder zieren das Buch) gelingt es, aus der Enge ihrer Kinder- und Jugendwelt zu entfliehen. Sehr kunstvoll verflicht sie in "Schamrot" die gesellschaftlichen Gegebenheiten und Entwicklungen mit ihrer persönlichen Geschichte zu einem vielfältigen und poetischen Rückblick.
Julia Weber: Weil ich Ruth bin
Ruth kommt mit einem schwarzen Fell zur Welt, sie verliert es am Ende ihrer Kindheit. Was sie behält, ist die Kunst, andere zu verwandeln. Auf Zeit (meist) werden sie zu einem Tier, erleben in diesem Zustand eine nicht gekannte Freiheit. Ruth ist eine Liebende, eine Gebende, eine sich Verströmende. Eine, die es am Ende hoffentlich schafft, sich wie Phönix aus der Asche zu erheben.
Sophia Klink: Kurilensee
Die junge Forscherin Anna verbringt ihren sechsten Sommer am Kurilensee in Kamtschatka, um Mikroorganismen und Lachse zu zählen. Die Zahlen entscheiden, wie viele Fische gefangen werden dürfen, und in diesem Jahr auch, ob der See gedüngt wird. Wissenschaftliche Arbeit, diverse, keineswegs objektive Meinungen und Entscheidungen sind ein Teil des Romans, weitere die Dynamiken innerhalb einer Gruppe, die abgeschieden in der Wildnis lebt, die tiefe emotionale Verbundenheit Annas mit der Natur und mit Vova, einem Kollegen. Das vielschichtige Debüt der 1993 geborenen Autorin, einer Biologin, erzählt von den kleinsten Organismen und deren Bedeutung für das große Ganze und von der allseitigen Durchdrungenheit allen Seins - hier verschwistern sich Analyse und Poesie.
Gute Literatur
Meine Empfehlung