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Februar 2026
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Bernd Marcel Gonner: Manchmal scheint es Segel zu spannen -
Die Re-Naturierung des Menschen
"Erst wenn die innere Natur wieder hergestellt ist, so die Grundannahme, kann, auf an- und grundständige Weise, auch die äußere Natur wieder ins Lot kommen". So Bernd Marcel Gonner, preisgekrönter Autor im Feld des Nature Writing, im Auftakt zu seinem Essay. Dieser ist ein Tauchgang in die (Un)Tiefen der Geschichte und ein Höhenflug in die Welt des Geistes und der Geistesgeschichte, die er mühelos und frei assoziierend miteinander verbindet. Der Essay stellt tausend Fragen, die Antworten sind Sache der Lesenden, die bereit sein sollten, sich auf diese luftige Tour einzuschwin-gen. Die Belohnung ist ein kapriolenreicher Flug/Tauchgang, der seinesgleichen sucht, und (für mich) in der Frage "Wie lange muss sich das Paradies noch von uns Menschen erholen, um wieder irdisch werden zu können?" gipfelt. Andere Leser:innen werden andere Gipfel erklimmen!
Claudia Lanteri:
Die Insel und die Zeit
Als Dreizehnjähriger erlebt Nonò in den 1950er Jahren den Untergang eines Schiffes vor seiner Heimatinsel Linosa. Eine Tote wird gefunden, der Skipper hat überlebt, einige weitere Menschen bleiben verschwunden. Nonò wird niemals aufhören, nach dem Wrack und den Toten zu suchen. Über diesem Ereignis wird sich seine Wahrnehmung und sein Umgang mit der Zeit verändern. Zeitebenen verschieben sich auf- und ineinander, Erinnerungen und Erfindung lassen sich nicht mehr voneinander trennen. Gilt das nicht für alle Menschen? Claudia Lanteri erschafft in ihrer luftig-weiten Geschichte mit wunderbaren Naturbeschreibungen und viel Lokalkolorit eine traumhafte Atmosphäre, in die zusammen mit Nonò einzutauchen, Lesefreude pur ist.
Peter H. E. Gogolin:
Die unerzählbare Geschichte ...kein Roman
Als er noch ein Kind war, erzählte die Mutter ihm drei Geschichten, die Peter erst Jahrzehnte später verstand. Das war, nachdem er die letzten zehn Tage ihres Lebens am Bett der Mutter verbracht hatte und nach der Bei-setzung beschloss, ihre Lebensges-chichte aufzuschreiben. Er begann nachzuforschen. Diese Recherche führte ihn zurück bis in die 1930er Jahre, den Krieg und die Nachkriegszeit, all die Jahre bis 2015, privat wie zeitgeschichtlich. Sie führte ihn auch durch sein eigenes Leben und Denken, und wirft unweigerlich die Frage auf:
Wie wurde ich der, der ich bin? Der Autor hat keinen Roman verfasst, nichts konstruiert, er berichtet das, was wirklich war. Es war erschütternd.
Virginia Woolf:
Ein Zimmer für sich allein
"Die harten Tatsachen belegen, dass die Theorie, dernach poetisches Genie dort niederweht, wo es ihm gefällt, und zwar unter Reichen und Armen gleichermaßen, wenig Wahrheit enthält." Virginia Woolf benennt in ihrem 1929 erschienenen Essay die Grundvoraussetzungen für eine freie künstlerische Tätigkeit: man braucht einen Raum für sich allein, und man braucht ein materielles Auskommen. Über beide hat niemand anders zu verfügen. Da Frauen beides über Jahrhunderte nicht gewährt wurde, gibt es von ihnen nicht die großen Kunstwerke, die man aus der Geschichte kennt. Und nicht nur Frauen sind unterrepräsentiert, auch Arme, denn wer verfügt über Raum, Geld und Zeit, um sich der kreativen, freien Tätigkeit hinzugeben, und damit ein in jeder Hinsicht freier Mensch zu werden? Der fast einhundert Jahre alte Essay hat nichts an Aktualität eingebüßt, lebt doch die Diskussion, was ein Mensch zum Leben braucht, immer wieder auf. Und verknüpft damit die Frage: Ist der freie Mensch überhaupt gewollt?
Belinda Cannone: Auf einem dünnen Seil - Erzählungen
Bei der Lektüre dieser zehn Erzählun-gen staunt man darüber, wie poetisch Zerbrechlichkeit dargestellt, wie berückend schön über Bedrückend-stes, über die Fragilität von Verhält-nissen und Beziehungen, über die Zersplitterung und womöglich das Ende der Welt geschrieben werden kann. Belinda Cannone schreibt jedoch zugleich über den inneren Riesen, das Glück der Solidarität, Eigenverantwortung und Selbstermächtigung. Man staunt darüber, wie Verletzlichkeit zu dem dünnen Seil werden kann, das vor dem Absturz bewahrt.
Gute Literatur
Meine Empfehlung