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November 2025

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Teréz Rudnóy:

Der Tag, an dem sie freikamen

Lulu ist eine von achthundert Zwangs-arbeiterinnen, die an Ostern 1944 weg von der holländischen Grenze Richtung Osten getrieben werden, weg von den anrückenden Amerikanern. Die Frauen finden sich nach einem Bombardement und der Flucht ihrer Bewacher:innen plötzlich in Freiheit wieder. Lulu wird zur Dolmetscherin für Lieutenant Sever, dem sie ihre Geschichte erzählt. Diese wird zur universellen Geschichte der Verfolgten und Ermordeten in Europa. Lulu sinnt nicht auf Rache, aber sie versucht vehement dem Amerikaner, der von "humanitären Werten" spricht, die es zu verteidigen gilt, ihren Standpunkt klar zu machen. Kann man diese Haltung von einer vor wenigen Stunden befreiten Zwangsarbeiterin, die in Auschwitz ihre Angehörigen verloren hat, den in einem Lager gefangenen deutschen Nazis gegenüber verlangen? Der Roman, der unmittelbar nach der Befreiung verfasst wurde, sticht mit seiner klaren Sprache direkt ins Innerste der Leser:innen.

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Kasper Behm: Der Freund

Dreißig Jahre nach einem dramati-schen Ereignis taucht Peterchen plötzlich an selbigem Ort wieder auf, kurz nachdem der Mann, bei dem er nach seiner Flucht aus dem Waisenhaus Schutz gesucht hatte, ermordet wurde. Gottfried, Peterchens damaliger Freund, ist so erfreut wie irritiert - was will Peterchen, warum kommt er gerade jetzt? Der zweite Roman Kasper Behms kann als eine Geschichte über Freundschaft gelesen werden, oder als ein Versuch, den vielen verschlungenen Pfaden nachzugehen, auf denen sich Erinnerungen bilden, versinken, umgeschichtet, verworfen oder für wahr erklärt werden. Der Autor spielt mit Krimi-elementen, bettet seine Geschichte in die alte Legende vom Vogelmann ein, er blickt tief in menschliche Abgründe - der Roman ist ein vielschichtiges, spannendes und sehr lesenswertes Buch.

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Chiara Valerio: Kein Herz, nirgends

Andrea, um die vierzig, Professor für Mythologie, wacht eines Morgens auf und findet sich "ohne Herz wieder". Er wird weitere Organe verlieren - und trotzdem weiterleben. All die vielen Frauen um Andrea herum fragen sich jede auf ihre Weise und entsprechend der Beziehung, in der sie zu ihm stehen, woran das liegen könnte, was zu tun ist. Der Roman, der keine Liebesgeschichte, aber eine Geschichte über die Liebe ist, fragt auf unendlich viele Arten, was dieses Gefühl eigentlich ist. Von vielen Seiten betrachtet Chiara Valerio das Phänomen, spielt leichtfüßig und augenzwinkernd, ernst und tiefschürfend, heiter-ironisch und zugleich direkt in die Wunde blickend, ein Szenario durch, das auf jede nur denkbare Weise das Menschsein reflektiert. Der Roman ist ein großer Spaß, nicht zuletzt durch seine wunderbare Sprache, und er ist ein großer Ernst, denn mit verschwundenen Körperteilen spielt man nicht!

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Romain Gary:

Europäische Erziehung

Der vierzehnjährige Janek schließt sich einer Gruppe von Partisanen an, die während des Zweiten Weltkrieges gegen die Deutschen kämpft. Vom Botengänger entwickelt sich Janek schnell zu einem, "der wie die besten Kämpfer töten kann" - dabei liebt er nichts mehr als die Musik und die gleichaltrige Zosia. Romain Gary, geb. 1914 in Vilnius, führt eindrücklich die Schrecken des Krieges und eine Welt, die von Furcht regiert wird, vor Augen - genau damit erzählt er den Mythos der Freiheit. In ihr sollte jede Erziehung ihr Ziel finden.  

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